Institut für Transfusionsmedizin Leipzig
 Universitätsmedizin Leipzig

Sicherheit für den Empfänger eines Blutprodukts

Die Sicherheit des Patienten hat stets oberste Priorität. Doch auch wenn Blutkonserven wohl noch nie so sicher waren wie heute, kann ein geringes Restrisiko für die Übertragung von Infektionskrankheiten (< 1:15 Mio.) nach wie vor nicht ganz ausgeschlossen werden.

Grund dafür sind so genannte diagnostische Fenster: Diese beschreiben die Spanne zwischen dem Zeitpunkt einer möglichen Infektion und deren ersten Nachweisbarkeit im Blut. Zur erheblichen Verminderung potenzieller Risiken tragen daher folgende Maßnahmen bei:

Ärztlich attestierte Spendefähigkeit
Sichere Abnahmebedingungen
Vertraulicher Selbstausschluss
Validiertes Computersystem
Laboruntersuchungen
Leukozytendepletion
Quarantänezeit bei Plasmapräparaten
Sicherung der Blutgruppenkompatibilität

1. Ärztlich attestierte Spendefähigkeit

Der Gesundheitszustand eines jeden Blutspenders wird vor der Spende durch die Auswertung des Anamnesebogens und eine ärztliche Untersuchung (Blutdruck, Puls, Hämoglobinwert) überprüft. Nur wenn der Untersuchungsarzt keine Zweifel an der Spendefähigkeit hat, wird er die Zulassung zur Spende erteilen.

2. Sichere Abnahmebedingungen

Bei jeder Punktion des Spenders wird steriles Einwegmaterial verwendet. Dabei ist das Tragen von Handschuhen vorgeschrieben. Hinzu kommen weitere hygienische Vorgaben, die einwandfreie, saubere Bedingungen sicherstellen.

3. Vertraulicher Selbstausschluss

Nach jeder Spende erhält der Spender zum vertraulichen Selbstausschluss den sogenannten „Aids-Zettel". Hierdurch besteht die Möglichkeit, sich auf Grund der Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe selbst auszuschließen und die Blutkonserve entsorgen zu lassen. Die Zuordnung des Spenders zur Blutkonserve erfolgt lediglich über eine Identifikationsnummer.

4. Validiertes Computersystem

Der Einsatz eines validierten Blutbankmanagementsystems stellt sicher, dass jede Blutkonserve eindeutig ihrem Spender zugeordnet werden kann und es nicht zu einer Verwechslung von Laborergebnissen kommt.

5. Laboruntersuchungen

Bei jeder Blutspende werden zusätzliche Teströhrchen mit Blut abgenommen, welche für die für die notwendigen infektionsserologischen Laboruntersuchungen (u. a. Hepatitis B und C, HIV und Geschlechtskrankheiten) sowie für die Kontrolle der Blutgruppeneigenschaften verwendet werden. Nur wenn alle Testergebnisse eindeutig negativ und die Blutgruppendaten bestätigt sind, darf das Blutprodukt für den Einsatz am Patienten freigegeben werden.

6. Leukozytendepletion

Leukozytendepletion bezeichnet die Entfernung von Leukozyten aus Blutpräparaten (Erythrozyten-, Thrombozytenkonzentrate und Vollblute). Mit diesem Verfahren sollen unterschiedliche Transfusionsreaktionen verringert und Virenübertragungen vermieden werden.

7. Quarantänezeit bei Plasmapräparaten

Plasma kann im gefrorenen Zustand bis zu zwei Jahre gelagert werden. Diesen Umstand nutzt man für eine zusätzliche Sicherheitsvorkehrung: Erst wenn vier bis sechs Monate nach der Blutspende bei einer erneuten Blutuntersuchung (nach einer weiteren Spende) immer noch alle Laborergebnisse negativ sind, darf das Plasmapräparat der vorangegangenen Spende freigegeben werden.

8.Sicherung der Blutgruppenkompatibilität

Foto Bedsidetest Plus Symbol Bedside-Test beim Tag der offenen Tür 2009

Foto Bedsidetest-Karton Plus Symbol Testkarton

Blutgruppenbestimmungen finden stets unter standardisierten Bedingungen in spezialisierten Laboratorien statt. Zur Sicherheit müssen zwei Bestimmungen mit zeitlich und örtlich unterschiedlichen Blutabnahmen übereinstimmende Ergebnisse zeigen, damit der Blutgruppenbefund gesichert ist. Unmittelbar vor jeder Gabe von Erythrozytenkonzentraten (Konserven mit den roten Blutzellen aus Vollblutspenden) ist vom Arzt dann noch ein sogenannter Bedside-Test (AB0-Identitätstest) durchzuführen. Dieser wird "am Bett des Patienten" in der Regel mit dessen Blut zur Bestätigung der Blutgruppe des Patienten/zum Ausschluss von Empfängerverwechslungen vorgenommen.

Auf einer Karte befinden sich meist drei Testfelder mit Anti-A, Anti-B und Anti-D Serum. In jeden dieser Kreise wird ein Tropfen Blut des Patienten gegeben. In den einzelnen Kreisen kann es zu einer Antigen-Antikörper-Reaktion kommen: Blut der Gruppe B würde beispielsweise auf dem Anti-B Feld verklumpen (agglutinieren). Bei einem unerwarteten Ergebnis darf solange nicht transfundiert werden, bis die Ursache geklärt ist.

Stetige Gefahrenreduktion

Dank moderner Tests und stetigem medizinischen Fortschritt können mittlerweile mögliche Gefahren auf ein Minimum reduziert werden. Interne Kontrollen und staatliche Aufsicht, wie durch die Landesdirektion Leipzig sowie das Paul-Ehrlich-Institut in Langen als die für alle Blutspendedienste Deutschlands zuständige oberste Gesundheitsbehörde, gewährleisten zudem die Einhaltung strenger Richtlinien.
 
Letzte Änderung: 21.04.2010, 14:24 Uhr
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