Institut für Transfusionsmedizin Leipzig
 Universitätsmedizin Leipzig

Was sind Blutstammzellen?
Knochenmark- und Blutstammzellspende
Wie wird man Stammzellspender?
Warum sollte man Blutspender sein?
Zwei Wege der Blutstammzellgewinnung
Wie läuft eine Knochenmark- bzw. Blutstammzellspende ab?
Wie läuft eine Knochenmark- bzw. Blutstammzelltransplantation ab?
Erhält man für eine Knochenmark- / Blutstammzellspende Geld?
Wer übernimmt die Kosten?/ Wo ist der Spender versichert?
Noch Fragen?

Was sind Blutstammzellen?

Die im menschlichen Blut vorhandenen Zellen, die für den Sauerstofftransport (Erythrozyten), die Infektabwehr (Leukozyten) und die Blutgerinnung (Thrombozyten) verantwortlich sind, werden aus gemeinsamen Vorläuferzellen, den Blutstammzellen gebildet. Diese befinden sich normalerweise im Knochenmark des Menschen.

Bei gesunden Personen werden die Zellen des Blutes ständig erneuert. Leichte Blutverluste können schnell ausgeglichen werden. Dieses hohe Regenerationsvermögen erlaubt es uns, nicht nur regelmäßig Blut, sondern im Bedarfsfall auch einen Teil dieser Blutstammzellen für kranke Menschen zu spenden.

Knochenmark- und Blutstammzellspende

Erkrankungen des blutbildenden Systems, vor allem Leukämien, sind lebensbedrohende Erkrankungen die durch langwierige medikamentöse Therapien einer Heilung zugeführt werden können. Beim Versagen aller medikamentösen Behandlungsversuche besteht eine Heilungsmöglichkeit nur noch in der Übertragung von Knochenmark- bzw. Blutstammzellen eines gewebeidentischen gesunden Spenders. Die Übertragung von Knochenmark bzw. peripheren Blutstammzellen gilt heute als gesicherte Therapie für fast alle Leukämien im Erwachsenenalter, für einen Teil der kindlichen Leukämien, für Knochenmarkversagen, für angeborene schwere Immundefekte und für eine Reihe weiterer Bluterkrankungen.

Vorraussetzung für eine Knochenmark- und Stammzellspende ist das Vorhandensein eines gewebeidentischen Spenders, damit das gesunde Knochenmark bzw. die Stammzellen vom Empfängerorganismus angenommen werden. Nur noch wenige Patienten verfügen über einen passenden Geschwisterspender, für alle anderen Patienten werden gesunde unverwandte Stammzellspender gesucht.

Wie wird man Stammzellspender?

In Deutschland gibt es verschiedene regionale und überregionalen Spenderdateien. Die Spender aller Dateien werden im Zentralen Knochenmarkspender Register Deutschlands, ZKRD (www.zkrd.de) erfasst. Im Falle einer Spendersuche wird unter all diesen Spendern der geeignetste ausgewählt. Sollte man innerhalb Deutschlands keinen geeigneten Spender finden, ist es gut zu wissen, dass das ZKRD Spendersuchen und -vermittlungen auch im Austausch mit internationalen Datenbanken durchführt. Weltweit gibt es inzwischen mehr als 27 Mio registrierte Spender.

Auch Sie können Spender werden, lassen Sie sich in einer Datei Ihrer Region registrieren.

Wenn Sie mindestens 18 und nicht älter als 55 Jahre alt sind und bei uns regelmäßig Blut spenden, können Sie sich in der Datei Freiwilliger Blutstammzellspender des Institutes für Transfusionsmedizin am Universitätsklinikum Leipzig registrieren lassen. Im Rahmen einer Blutspende erfolgt die Aufnahme in unsere Datei und es werden für die Untersuchung Ihrer Gewebemerkmale ca. 10 ml Blut entnommen. Natürlich verbinden wir damit den Wunsch für eine regelmäßige Blutspende.

Warum sollte man Blutspender sein?

Der akute Blutverlust bei der Knochenmarkentnahme beträgt etwa 1-1,5 Liter. Er setzt eine vorherige Eigenblutspende voraus. Auch die Stammzellspende über ca. 5 Stunden an einem Zellseparator ist für einen erfahrenen Blutspender leichter zu absolvieren. Darüber hinaus werden Blutspender regelmäßig auf Ihre Spendetauglichkeit untersucht und bei gesundheitlicher Gefährdung von der Spende (auch der Knochenmark- und Stammzellspende) rechtzeitig ausgeschlossen. Für die Versorgung transplantierter Patienten werden auch Blutplättchenspenden benötigt, die nach den Gewebemerkmalen ausgewählt werden müssen. Für diese Fälle werden immer ausreichend untersuchte Spender benötigt, die wir auch unter unseren Stammzell- und Knochenmarkspendern suchen.

Zwei Wege der Blutstammzellgewinnung

Die periphere Stammzellentnahme

Bei der Entnahme peripherer Stammzellen erfolgt die Gewinnung direkt aus der Blutzirkulation des Spenders. Voraussetzung dafür ist eine Mobilisierung der Stammzellen aus dem Knochenmark in das periphere Blut. Das erfolgt durch die Stimulation des Spenders mit dem Wachstumsfaktor G-CSF, einem Medikament, was bis zu einer Woche lang täglich unter die Haut gespritzt werden muss. Dadurch wird das Knochenmark angeregt und die Stammzellen in die Zirkulation ausgeschwemmt Dieser Wachstumsfaktor entsteht auch auf natürliche Weise im menschlichen Organismus, z. B. bei Infektionen.
Bei der Stammzellentnahme werden über eine Maschine innerhalb von 4-5 Stunden in einem ständigen Kreislauf aus dem Venenblut die benötigten Stammzellen abgesammelt, während der Spender alle anderen Blutbestandteile zurück bekommt. Dabei sind kein Krankenhausaufenthalt und keine Narkose notwendig.

Risiken und Nebenwirkungen:

Typische Nebenwirkungen des Medikaments zur Mobilisation sind vor allem Knochen- und Gliederschmerzen, ähnlich wie bei einer Grippe. Diese Symptome klingen nach der Spende rasch ab. In seltenen Fällen können bei der Gewinnung der Stammzellen aus dem Blut sog. Zitratreaktionen oder allergische Reaktionen hervorgerufen werden. Andere unerwünschte Nebenwirkungen sind bisher nicht bekannt.

Die Knochenmarkentnahme

Der Spender wird im Regelfall ein bis zwei Tage vor der geplanten Entnahme in eine Klinik aufgenommen, die über langjährige Erfahrungen mit der Knochenmarkentnahme verfügt und möglichst nahe am Wohnort des Spenders liegt. Die Entnahme von 1 bis 1,5 Liter Knochenmark, vermischt mit Blut, erfolgt unter Vollnarkose durch mehrere Punktionen des Beckenkammes. Zum Ausgleich des Blutverlustes bekommt der Spender seine Eigenblut-Konserve, die ihm 2-3 Wochen zuvor abgenommen wurde, zurück transfundiert.
Die Entnahme stellt für den Spender keine besondere Gefährdung dar, da das Knochenmark schnell wieder nachwächst. In der Regel kann der Spender die Klinik bereits am nächsten Tag verlassen.

Risiken und Nebenwirkungen:

Hier muss zunächst eine Klarstellung vorgenommen werden: Es wird Knochenmark und nicht Rückenmark entnommen. Neben dem allgemeinen Narkoserisiko ist das Risiko einer Wundinfektion nach der Entnahme zu nennen. Beide Risiken sind ausgesprochen niedrig und werden durch die strenge Voruntersuchung und entsprechende Nachsorge minimiert. Nach der Entnahme treten Schmerzen im Bereich der Einstichstellen und der Gesäßmuskulatur auf.

Beide Entnahmemöglichkeiten können in unserer Einrichtung organisiert und durchgeführt werden. Die Entscheidung welche Form der Entnahme gewählt wird, richtet sich nach dem Auftrag der transplantierenden Klinik in Abhängigkeit von den Wünschen und Möglichkeiten des Spenders.

Wie läuft eine Knochenmark- bzw. Blutstammzellspende ab?

Wurde ein geeigneter Spender im Rahmen der Spendersuche gefunden, so erfolgt eine Kontaktaufnahme mit dem Spender durch die Datei, bei welcher der Spender registriert ist. Das Transplantationszentrum fordert wenige ml Blut zur Überprüfung der Untersuchungsergebnisse an. Die erneute Kontaktaufnahme erfolgt nach Akzeptanz des Spenders. Es werden die Termine für die Voruntersuchung und die Spende festgelegt. Je nach Art der Spende, werden verschiedene Untersuchungen durchgeführt, um den Gesundheitszustand des Spenders zu überprüfen, zum Schutz des Spenders und des Empfängers. Bei erfolgreicher Voruntersuchung wird zum vereinbarten Termin die Spende in unserem Institut durchgeführt. Unmittelbar im Anschluss daran wird das Transplantat einem Kurier des Transplantationszentrums zum Transport übergeben.

Wie läuft eine Knochenmark- bzw Blutstammzelltransplantation ab?

Etwa 7-14 Tage vor der Transplantation beginnt die Vorbehandlung des Patienten mit Bestrahlung und Chemotherapie, um sein krankes Knochenmark zu zerstören. Das vom Spender gewonnene Knochenmark bzw. die peripheren Blutstammzellen werden per Kurier sofort zur Transplantationsklinik des Patienten gebracht und dem Patienten wie eine normale Bluttransfusion verabreicht. Die gesunden Stammzellen des Spenders siedeln sich im Knochenmark des Patienten an und beginnen sich zu vermehren. Nach einem Zeitraum von einer bis mehreren Wochen sollten die neuen gesunden Stammzellen im Blut des Patienten nachweisbar sein.
In der Zwischenzeit wird der Patient mit Blut- und Thrombozyten- (Blutplättchen) Präparaten anderer gesunder Blutspender versorgt.

Wird die Knochenmark- / Blutstammzellspende vergütet?

Außer der Erstattung seiner Aufwendungen erhält der Spender keine Vergütung. Es soll vermieden werden, daß jemand aus einer finanziellen Notlage heraus spendet oder aus der Notlage des Patienten Kapital schlägt. Die humanitäre Entscheidung zur Spende ist freiwillig und kann jederzeit ohne Angabe von Gründen widerrufen werden.

Wo ist der Spender versichert?

Zunächst automatisch bei der jeweiligen Gemeindeunfallversicherung. Bei einer geplanten Knochenmark- bzw. Stammzellentnahme wird für den Spender eine zusätzliche Versicherung durch die Datei abgeschlossen.

Noch Fragen?

Sollten Sie weitere Fragen haben, stehen wir Ihnen selbstverständlich gern zur Verfügung:


Leiterin HLA-Labor: Dr. rer. nat. Claudia Lehmann
Adresse: Johannisallee 32
04103 Leipzig
Telefon: 0341 - 97 2 53 50

 
Letzte Änderung: 08.03.2016, 11:26 Uhr
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