Institut für Transfusionsmedizin Leipzig
 Universitätsmedizin Leipzig

75 Jahre Blutspendedienst in Leipzig

Die Leipziger Medizin ist Vorreiter bei der Organisation des Blutspendens.

Am 8. Dezember 1933 begann hier der Aufbau des ersten überregionalen Blutspenderregisters in Deutschland. Prof. Dr. med. habil. Paul Morawitz (1879 - 1936), Ordinarius für Innere Medizin an der Universität Leipzig, beauftragte 1933 seinen Assistenten Dr. Karl Adolf Seggel (1906 - 1943), einen Blutspendernachweis aufzubauen.


1933 Am 08. Dezember 1933 wurden erstmalig in einer Leipziger Tageszeitung alle Männer zwischen 21 und 50 Jahren zum Blutspenden aufgerufen. 72 der 200 Männer, die diesem Aufruf folgten, wurden als spendetauglich befunden.
Im Krankenhaus St. Jacob, befindlich in der Johannisallee 32 (heutiges Gelände des Universitätsklinikums Leipzig), begann fortan unter Mitwirkung des Leipziger Gesundheitsamtes der Aufbau einer Spendervermittlung. Zu diesem Zeitpunkt waren Frauen noch gänzlich von der Blutspende ausgeschlossen. Wer zugelassen wurde, bekam je 100 Milliliter Blut eine Aufwandsentschädigung von 5 RM, welche von der AOK übernommen wurde.

Von Seggel entwickelte Kriterien zur Blutspende:

  • Spenderausweis
  • Verpflichtung zur Blutspende bei Abforderung (Benachrichtigung über Polizeirevier, da nur dort Telefonanschluss)
  • Spendermenge: 400 ml, Spendeabstand
  • Spenderkartei
  • Rückmeldebogen für den transfundierenden Arzt und Auswertung der Resultate
  • keine Venae sectio beim Spender
1934 Am 1. März 1934 nimmt der Leipziger Blutspendernachweis schließlich seine Arbeit auf. Dem zur Medizinischen Klinik gehörigen Blutspendedienst sind zunächst 11 regionale Kliniken angeschlossen, später erfolgte auch eine überregionale Vermittlung für ganz Sachsen sowie gelegentlich auch Preußen, Thüringen, Bayern. Im Jahre 1936 zählte man bereits 1.000 erfolgreich verlaufene Transfusionen und 530 registrierte Blutspender.
1940 1940 vergibt der Ordinarius für Innere Medizin Prof. Max Bürger an Horst Wolfgang Schneider das Dissertationsthema „Über die Eignung der Frau als Blutspender". Auf Grund des Krieges und dem daraus resultierenden „Mangel" an Männern wurden schließlich auch Frauen zur Spende zugelassen. Sie erhielten nach der Blutspende zusätzlich zur Aufwandsentschädigung eine Lebensmittelsonderzuteilung (500 Gramm Fleisch, 200 Gramm Nährmittel, 1 Kilogramm Obst).
1945 Nachdem man 1942 noch 750 registrierte Blutspender zählte, hatte sich diese Zahl durch Kriegseinwirkungen bis 1945 auf 139 Spender reduziert. Zudem hatte man Räume, Ausrüstung und Kartei verloren. Drei Jahre später nahm man die Arbeit in den Räumlichkeiten des Roten Hauses (Medizinische Universitätsklinik) in der Philipp-Rosenthal-Straße wieder auf und konnte bald auf einen Spenderstamm von 590 registrierten Menschen zurückgreifen.
1951 1951 führte man die Blutkonservierung in Glasflaschen, welche einen Zitratstabilisator enthielten, ein.
1962 Im Jahr 1962 wird in der Delitzscher Straße ein Bezirksinstitut für Blutspende- und Transfusionswesen neu erbaut. Der Leiter ist Dr. med. Volker Thierbach.
Fünf Jahre später gründete sich die Fachgesellschaft für Hämatologie und Bluttransfusion in der DDR, welche die Sektionen Hämatologie, Transfusionsmedizin, Hämostaseologie sowie Hämophilie beinhaltet.
1980 Seit 1980 werden in Leipzig autologe und allogene Knochenmarktransplantationen in der Abteilung Hämatologie/Onkologie der Medizinischen Universitätsklinik in Kooperation mit dem Institut für Blutspende- und Transfusionswesen durchgeführt. Die erste Knochenmarkstransplantation am Leipziger Universitätsklinikum fand am 11. März 1980 bei einem 15-jährigen Jungen statt.
1991 Unter der Leitung von Dr. med. Volker Thierbach fusionierten 1991 das Bezirksinstitut für Blutspende- und Transfusionswesen mit dem universitären Blutspendedienst zum Institut für Transfusionsmedizin der Universität Leipzig. Bereits ein Jahr später kommt zu den Betriebsteilen Nord (Delitzscher Straße) und Mitte (Philipp-Rosenthal-Straße) eine externe Vollblutabnahmestation im Gesundheitsamt Grünau hinzu. 1995 werden die Immunologie und die Transfusionsmedizin zum „Institut für Klinische Immunologie und Transfusionsmedizin" verschmolzen.
2002 2002 wird dieser Schritt revidiert, so dass das Institut für Transfusionsmedizin unter der Leitung von Prof. Dr. med. Gert Matthes wieder eigenständig agiert. Zur klaren Abgrenzung von anderen Blutspendediensten wird die Marke „BLUTBANK" erschaffen.
In den darauffolgenden Jahren werden zunehmend medizinische Fortschritte und Erfolge erkennbar, die beispielsweise verbesserte Screenings, Nabelschnurblut oder neuartige Herstellungserlaubnisse einschließen.
2006 Im Dezember 2006 wird das Institut um eine vierte feste Vollblutabnahmestation in Leipzig-Paunsdorf erweitert. Heute gehört das Institut für Transfusionsmedizin zu den größten universitären Blutspendediensten Deutschlands. Bei „Über das Institut" haben Sie einen Einblick in aktuelle Daten und Statistiken.
2008 Das Leipziger Institut für Transfusionsmedizin würdigt mit einer Jubiläumsveranstaltung „75 Jahre Blutspenden in Deutschland", das am 08.12.1933 in Leipzig seinen Ursprung hatte.
 
Letzte Änderung: 21.04.2010, 12:26 Uhr
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