Institut für Transfusionsmedizin Leipzig
 Universitätsmedizin Leipzig

Das AB0-System der Blutgruppen

Das AB0-System wurde 1901 Karl Landsteiner aufgestellt und ist auch heute noch Grundlage für die Unterscheidung der Blutgruppen.

Um zu verstehen, welche Rolle die Blutgruppen bei der Blutübertragung spielen, ist es wichtig, folgende Begriffe zu kennen:

  1. Antigene sind chemische Verbindungen, die groß genug sind um von unseren Immunzellen erkannt zu werden. Jede Zelle unseres Körpers hat an ihrer Oberfläche solche Antigene. Diese dienen als Schutz vor dem eigenen Immunsystem, sozusagen als "Ausweis" der Zelle. Da es nicht nur körpereigene Antigene gibt, haben unsere Immunzellen die Fähigkeit, körpereigene von körperfremden Antigenen (z.B. Viruspartikel oder zerstörte Bakterien) zu unterscheiden. 
  2. Erkennen unsere Abwehrzellen ein fremdes Antigen, bilden sie dagegen sogenanntenAntikörper. Diese binden die eingedrungenen Mikroorganismen, welche mit dieser Markierung durch das Immunsystem einfacher beseitigt werden können.

Das Immunsystem schützt also den Körper, indem es fremde von eigenen Antigenen unterscheidet und entsprechende Antikörper bildet.

Die Blutgruppen

Karl Landsteinerstellte 1900 beim Vermengen von Blut zweier Menschen fest, dass es häufig zu starker Verklumpung kam. Ein Jahr später konnte er diesen Vorgang auch bei Vermischung von Erythrozyten und Plasma zweier Menschen nachweisen; so gelang es ihm, drei verschiedene Blutgruppen zu klassifizieren: A, B und 0 (die er noch C nannte). Die Blutgruppe AB entdeckten zwei seiner Kollegen wenig später.

Heute wissen wir, dass Menschen entsprechend ihrer Blutgruppen Antikörper bilden - und zwar immer gegensätzlich zu ihren Antigenen: Wer Blutgruppe A hat, wird Antikörper gegen das B-Antigen bilden, bei Blutgruppe B gegen das A-Antigen. Menschen mit der Blutgruppe AB haben keine Antikörper gegen die Antigene A oder B; Menschen mit der Blutgruppe 0 bilden Antikörper gegen beide.

Blutgruppeneigenschaften Zusammengefasst:

Blutgruppe Antigene Antikörper
Null (0) keine  gegen A und B
A gegen B
B gegen A
AB A und B  keine

Der Rhesusfaktor

Wieder war es Landsteiner, der 1940 zusammen mit Alexander Wiener ein weiteres Merkmal der Blutgruppen entdeckte: Den Rhesusfaktor. Diesen Namen wählten sie, weil ihre aus Kaninchen gewonnene Antikörper gegen die Erythrozyten von Rhesusäffchen auch mit menschlichen Erythrozyten reagierten. Inzwischen kennt man nicht nur einen Faktor, sondern ein ganzes „Rhesussystem" von Antigenen. In der Transfusionsmedizin spielt jedoch vor allem das Antigen D eine Rolle, da dieses fast immer die Bildung von Antikörpern hervorruft. 

Ist ein Mensch rhesus-positiv, trägt er das D-Antigen auf seinen Erythrozyten - sein Blut würde also im Versuch von Wiener und Landsteiner reagieren. Neben der Bezeichnung rhesus-positiv kann ebenso „D-positiv" oder „D-negativ" gewählt werden. In Mitteleuropa sind ca. 85 von 100 Menschen rhesus-positiv, diese Zahl variiert weltweit jedoch sehr stark und wird heute auch als Indikator für die genetische Distanz von Völkern verwendet.

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Folgenschwere Auswirkungen kann der Rhesusfaktor vor allem bei Schwangerschaften haben:
Ist eine rhesus-negative Frau mit einem rhesus-positiven Kind schwanger, kann während der Geburt rhesus-positives Blut in den Kreislauf der Mutter gelangen. Wie nach einer Impfung ist sie dann gegen das Rhesus-Antigen immunisiert und bildet Anti-D-Antikörper.Bei der nächsten Schwangerschaft ist dann Vorsicht geboten: Wenn das Kind erneut rhesus-positiv ist, besteht die Gefahr, dass Anti-D-Antikörper in den kindlichen Blutkreislauf gelangen und dessen lebensnotwendige Erythrozyten zerstören.

Verhindert wird dies, in dem man die Immunisierung der Mutter verhindert:
Man gibt der Mutter unmittelbar nach der Geburt eines rhesus-positiven Kindes spezielle Anti-D-Antikörper, welche die Rhesusfaktoren blockieren und die für ein weiteres, rhesus-positives Kind gefährliche Immunisierung der Mutter verhindern.

Blutgruppenkompatibilität

Ob zwei Blutgruppen miteinander kompatibel sind, hängt hauptsächlich vom Rhesus- und vom ABO-System ab.

Dabei muss man bei der Übertragung der verschiedenen Blutbestandteile wichtige Unterschiede beachten: Je nachdem ob man Plasma oder Erythrozytenkonzentrate (EKs) überträgt, verhalten sich die Verträglichkeiten untereinander anders.

Bei der Transfusion von roten Blutzellen ist die Blutgruppe 0 - (Null, rhesus-negativ) Universalspender: Sie enthält keine Antigene, mit der eventuell vorhandene Antikörper des Empfängerblutes reagieren könnten. Patienten der Blutgruppe AB+ (rhesus-positiv) sind Universalempfänger: Sie bilden weder gegen die Antigene AB noch gegen das Rhesus-Antigen Antikörper, weil diese Antigene als körpereigen erkannt werden.

Überträgt man hingegen Plasma, kehren sich Universalempfänger und -spender um: Patienten mit 0- können jedes Plasma bekommen, da auch gegen A-, B- oder Rh-Antigen gerichtete Antikörper kein Antigen finden können, um damit zu reagieren - Patienten mit 0- sind also für Plasma Universalempfänger. Patienten der Blutgruppe AB+ können demnach jetzt universal spenden: Ihr Plasma enthält keine Antikörper gegen die relevanten Antigene des Empfängerblutes.

Zur besseren Übersicht haben wir diese Sachverhalte noch einmal in zwei Tabellen für Sie zusammengefasst:


Plasmaspende A** B** AB** 0 (Null)**
A* Grüner Haken Rotes Kreuz Rotes Kreuz Grüner Haken
B* Rotes Kreuz Grüner Haken Rotes Kreuz Grüner Haken
AB* Grüner Haken Grüner Haken Grüner Haken Grüner Haken
0 (Null)* Rotes Kreuz Rotes Kreuz Rotes Kreuz Grüner Haken

Erythrozytenk. A** B** AB** 0 (Null)**
A* Grüner Haken Rotes Kreuz Grüner Haken Rotes Kreuz
B* Rotes Kreuz Grüner Haken Grüner Haken Rotes Kreuz
AB* Rotes Kreuz Rotes Kreuz Grüner Haken Rotes Kreuz
0 (Null)* Grüner Haken Grüner Haken Grüner Haken Grüner Haken

*Spender; ** Empfänger

 
Letzte Änderung: 09.11.2015, 14:41 Uhr
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