Das AB0-System für Blutgruppen
Die Blutgruppen
Blutgruppenmerkmale zusammengefasst
Der Rhesusfaktor
Unverträglichkeiten bei Schwangerschaft
Blutgruppenkompatibilität
Um die Notwendigkeit der Klassifizierung von Blutgruppen darzustellen, sind zunächst folgende Begriffe grundlegend zu erklären:
Antigene sind chemische Merkmale auf Oberflächen, die vom Körper zumeist als fremd erkannt werden und eine Immunreaktion auslösen. Dies können zum Beispiel Viren oder Bakterien sein sowie auf den eigenen Körperzellen vorkommende Antigene, welche jedoch keine Reaktion mehr verursachen.
Antikörper (Immunglobuline) werden von den Immunzellen gebildet, nachdem diese ein fremdes Antigen erkannt haben. Sie binden die eingedrungenen Mikroorganismen, welche mit dieser Markierung durch das Abwehrsystem einfacher beseitigt werden können.
Das Immunsystem schützt also den Körper, indem es körperfremde von körpereigenen Antigenen unterscheidet und entsprechende Antikörper bildet.
Die Blutgruppen
Beobachtet hat Landsteiner, dass durch die Zugabe von Erythrozyten eines anderen Menschen zum Blutplasma eines Menschen heftige Agglutinationen (Verklumpungen) zur Folge haben kann. Daraus schlussfolgerte er, dass sich im Blutplasma Antikörper gegen die auf den Erythrozyten befindlichen Antigene befinden müssen. Mittels dieser Erkenntnisse entstand die Klassifizierung der verschiedenen Blutgruppen.
Landsteiner stellte fest, dass grundsätzlich die Antigene A und B existieren. Da diese sowohl einzeln, gemeinsam oder gar nicht vorhanden sein können, leitete er daraus die Existenz von vier Blutgruppen: A, B, AB und O ab.
Ist ein Antigen (A oder B) vorhanden, werden Antikörper für das jeweils andere gebildet. Zum Beispiel besitzt ein Mensch mit der Blutgruppe A Antigene A und Antikörper B. Für A werden keine Antikörper gebildet, da diese Antigene als körpereigen erkannt und als ungefährlich eingestuft werden.
Menschen mit der Blutgruppe AB haben Antigene für A und B, besitzen jedoch gar keine Antikörper, da diese auf die Antigene reagieren würden. Bei der Blutgruppe O hingegen ist dieser Sachverhalt genau umgekehrt: Es existieren weder Antigene A noch Antigene B, jedoch werden Antikörper für A und B produziert.
Merkmale der Blutgruppen zusammengefasst:
| Blutgruppe | Antigen | Antikörper |
| A | A | B |
| B | B | A |
| AB | A und B | keine |
| 0 | keine | A und B |
Der Rhesusfaktor
Landsteiner entdeckte 1940 zusammen mit Alexander Wiener, dass aus Kaninchen gewonnene, sich gegen die Erythrozyten der Affenart Mecaca rhesus richtende Antikörper auch mit menschlichen Erythrozyten reagieren können. In Folge dieser Beobachtung fand man verschiedene weitere Antigene, welche schlussendlich die Komplexität ausmachen und den Begriff „Rhesussystem" rechtfertigen. In der Transfusionsmedizin spielt jedoch vor allem das Antigen D eine Rolle, da dieses fast immer die Bildung von Antikörpern hervorruft.
Ist ein Mensch rhesus-positiv, trägt er das D-Antigen auf seinen Erythrozyten - die beschriebene Reaktion findet also statt. Als Bezeichnung kann ebenso „D-positiv" oder „D-negativ" gewählt werden. In Mitteleuropa sind 85 von 100 Menschen rhesus-positiv, diese Zahl variiert weltweit jedoch sehr stark und wird heute auch als Indikator für die genetische Distanz von Völkern verwendet.
Wussten Sie schon?
Blutgruppenkompatibilität
Ob eine Blutgruppe kompatibel ist, hängt grundsätzlich von der ABO Blutgruppe ab.
Bei der Übertragung von Erythrozyten kommt die Abhängigkeit vom Rhesusfaktor hinzu. Da die Blutgruppe O keine Antigene besitzt, kann sie als Universalblutgruppe für alle anderen Blutgruppen ebenfalls verwendet werden. Zu beachten ist lediglich der Rhesus-Faktor: O negativ kann immer transfundiert werden, O positiv kann für alle rhesus-positiven Blutgruppen verwendet werden. Da die Blutgruppe AB beide Antigene, A und B besitzt, kann das Blut auch nur an Patienten mit der Blutgruppe AB übertragen werden.
Bei der Übertragung von Blutplasma kehrt sich dieser Sachverhalt um: Da AB auf Grund des Vorhandenseins beider Antigene gar keine Antikörper besitzt, kann das Plasma, in welchem sich alle Antikörper befänden, immer übertragen werden. Daraus folgt, dass hier die Blutgruppe O auch nur noch für Patienten mit der identischen Blutgruppe verwendet werden kann.
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